schoko kids

Text von Kunstportal online zur Ausstellung show me yr gun, 2005, Zagreus Projekt, Berlin:

Zum Anbeissen süß.

Die glänzende Oberfläche der Pistolen reflektiert das Licht, die Struktur des Handstücks scheint für einen guten Griff sorgen zu können. Die Pistolen wirken sehr authentisch. Die Waffen sind allerdings zum Töten zu süß (too sweet to kill), denn sie bestehen zu 100% aus Schokolade. Irritierend detailgetreu nachgebildet erkennt man sie erst auf den zweiten Blick als Nachbildung. Erliegt man trotz des Schreckens vor einer täuschend echten Pistole der sinnlichen Versuchung, die Waffen aus Schokolade zu genießen, stellt sich beim Naschen schnell die Frage, an welchem Ende man die Pistole in den Mund stecken oder anbeißen darf. Das skurrile Ergebnis zeigt sich oft darin, dass man den Lauf aus Schokolade als erstes isst – der gruselige Schauer, sich eine Pistole, und sei sie auch noch so süß, in den Mund zu halten, ist eine bewusste von der Künstlerin mit IhrerInstallation provozierte Irritation. Besonders Kinder bekommen strahlende Augen, wenn sie die „Schokogun“ sehen, sie können sich zwischen dem Objekt als Spielzeug oder als Süßigkeit kaum entscheiden. Für Mädchen ist es eine lustige Schokolade und für Jungs erst recht. Männer werden neugierig, betrachten sie eingehend, bewundern die Detailgenauigkeit und Frauen lassen sich von der Süßigkeit verführen. Eine Süßigkeit, die Spaß macht, weil sie trotz des Spiels mit der Gefahr harmlos ist, und, weil es wie ein Frieden stiftender Vorgang anmutet, Pistolen verschwinden zu lassen indem man sie einfach aufisst.

Posted on Sep 05, 2007